Da sich bei Twitter gerade mal wieder gewisse Tendenzen anbahnen, muss ich dahingehend mir mal meinen Frust von der Seele schreiben. Während meine Studiums musste ich immer wieder umfangreichere Dokumente anfertigen: Berichte, Dokumentationen, Hausarbeiten. All diese Dokumente hatten einen gewissen Qualitätsanspruch. So sollten sie natürlich ein Inhaltsverzeichnis haben, eine Seitennummerierung, ggf. ein Deckblatt, vielleicht auch noch ein Quellen- und/oder Abbildungsverzeichnis. Eigentlich kein Problem für eine moderne Textverarbeitung, sollte man meinen. Leider aber ist es das doch. Ich habe das Schreiben solcher Dokumente immer gehasst. Begonnen hat meine "Textverarbeitungskarriere" natürlich mit dem Klassiker, Microsoft Word. 1989 (!) verwendete ich schon Microsoft Word 4 unter MS-DOS 3.2 auf einem 8086. Das Programm ließ sich flott bedienen, ich konnte meine Texte für die Schule damals problemlos verfassen. Weiter ging es mit Word 6.0 unter Windows. Die nachfolgenden Office-Versionen nahm ich alle mit: Office 95, 97, 2000, XP, 2003. Bei meinem Wechsel zum Mac im Jahre 2005 versuchte ich eine Weile, die vorinstallierte Trial des MS Office 2004 for Mac zu verwenden. Zufrieden war ich aber nie, weswegen ich OpenOffice.org und iWork eine Chance gab. Das OpenOffice.org war mir eindeutig zu langsam, iWork wurde das Programm der Wahl, wenn auch Pages nicht so ganz mit dem Funktionsumfang von Word oder Writer mithalten kann. Und genau deswegen versuchte ich immer wieder, mit dem OpenOffice.org Writer, gelegentlich sogar mit Microsoft Word, umfangreiche, komplexe Dokumente zu setzen. Es ist ein Graus. Ich meine, ich gebe Schulungen in Word, ich kenne das Programm ziemlich gut, eine flüssige Arbeit, sofern es nicht nur um das Verfassen von Briefen geht, ist aus meiner Sicht nicht möglich. Zu viele Inkonsistenzen, Abstürze, verlorene Informationen. Ich persönlich finde das neue UI des Office 2007 nicht schlecht, viele Anwender fühlen sich aber von Microsoft vor den Kopf gestossen, was der Verwendung des OpenOffice.org in der Wirtschaft einen ziemlichen Boost gegeben hat. Vor einigen Monaten nahm ich mir dann ein Herz. Ich installierte eine LaTeX-Distribution auf meinem Mac und startete TextMate. Das erste Dokument startete ich mit einer Vorlage, die TextMate mir anbot, um erst mal einen Einstieg zu finden. Und ich war begeistert. Wer HTML lesen und schreiben kann, der kann quasi auch LaTeX, die Konzepte sind verflucht ähnlich. Und der Textsatz. Ich fand das Schriftbild, das Word und Konsorten produzieren schon immer furchtbar hässlich. LaTeX macht das so viel besser, der Text ist gut lesbar, sieht wunderschön aus. Und das Beste: ich muss mich nicht händisch um das Setzen von Inhaltsverzeichnissen, Seitenzahlen, etc. kümmern. Hat man erst einmal eine Vorlage geschaffen, muss man sich nie (!) wieder um solche Elemente kümmern. Die Einarbeitungszeit ist natürlich abhängig vom technischen Verständnis des Anwenders, die typische Sekretärin, ohne den Berufsstand verunglimpfen zu wollen, mag damit anfangs überfordert sein, technisch versiertere Menschen hingegen dürften binnen weniger Stunden mit dem System klar kommen. LaTeX führt eine sehr strikte Trennung zwischen Inhalt und (Text-)Satz durch, die anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Ein vernünftiger Texteditor unterstützt einen aber in der Arbeit und nimmt einem vieles ab. Windows-Nutzer sollten also bitte nicht auf das Notepad zurückgreifen, damit dürfte einem ziemlich schnell der Spaß vergehen. Unter Mac OS kann ich ganz klar eine Empfehlung für TextMate aussprechen, unter Linux (Gnome) empfiehlt sich Gedit und unter Windows sollte man vermutlich zum NotePad++ greifen. Jedem meiner Leser, der immer wieder mit dem Verfassen komplexer Dokumente betraut wird, kann ich die Einarbeitung in LaTeX nur empfehlen. Eine gute Quelle für den Einstieg ist meiner Meinung nach http://latex.mschroeder.net/. Solltet ihr nur Briefe schreiben müssen, kann ich die Verwendung von LaTeX weder empfehlen noch davon abraten. Der schönere Textsatz allein dürfte aber Grund genug für die Einarbeitung in dieses System sein.
Von Menschen und Essen
vor 58 Minuten