Samstag, 31. Januar 2009

Shareware für den Mac [Update]

Früher setzte ich den Begriff Shareware mit einer Krankheit gleich. Software, die als Shareware publiziert wurde, war oft von nur durchschnittlicher, wenn nicht gar schlechter Qualität. Dies galt früher insbesondere für Windows-Anwendungen. Eine wirkliche Konkurrenz zu Windows, wie sie heute in Form von Mac OS X und Linux existiert, gab es zum damaligen Zeitpunkt auch nicht. Ich rede von der Mitte bis Ende der '90er Jahre, als Mac OS noch nicht in der Version X vor lag und Linux über keine nennenswerte grafische Oberfläche verfügte. Die meiste Shareware, die ich damals kannte, war wirklich mies und aufgrund des noch in den Kinderschuhen befindlichen Internets auch schwer zu bekommen. Heft-CDs waren meist voll von diesen Anwendungen, die Freischaltung solcher Programme gestaltete sich aber aufgrund der fehlenden Möglichkeit, online zu bezahlen als eher schwierig. Als das Internet und insbesondere das WWW populärer wurde, erschienen auch immer mehr Anwendungen mit diesem Lizenzmodell. An der Qualität änderte sich aber kaum etwas. Zu meinen aktiven Windows-Zeiten (ca. 1994 bis 2005) umging ich Shareware, wo ich nur konnte. Auch heute kenne ich kaum gute Shareware-Anwendungen für Windows. Das Open-Source-Modell machte sich breit und brachte, wenigstens für mich, den Todesstoß für die Shareware. Das attraktive an Shareware-Applikationen ist, dass man die Software ausgiebig testen kann, bevor man sie kauft. Trotzdem war ich bei keiner meiner damals getesteten Anwendungen bereit, auch nur einen Cent für diese auszugeben, zumal es meist deutliche bessere Anwendungen der gleichen Gattung unter einer freien Lizenz gab.

Drastisch geändert hat sich das für mich, als ich im Jahre 2005 meinen ersten Mac gekauft habe. Anfangs existierte Shareware für mich weiterhin nur nebenher, ich habe sie kaum beachtet. Irgendwann entdeckte ich dann aber immer mehr wirklich geniale Shareware-Programme. Die meisten Open-Source-Anwendungen nervten mich schon nach kurzer Zeit, weil sie sich einfach nicht in das native Look-and-Feel von Mac OS X einpassen wollten. Anfangs noch zögerlich, war ich immer mehr bereit, für diese netten kleinen Anwendungen auch Geld zu bezahlen. Mittlerweile habe ich einen recht großen Schatz an Shareware-Anwendungen im Einsatz, für die ich gern bereit war, die Lizenzgebühren zu zahlen. Die meisten dieser Anwendungen kosten nur wenige Euro, erleichtern einem das Leben aber ungemein. Generell denke ich aber, dass die große Auswahl an wirklich qualitativ hochwertiger Shareware auf der Mac-Plattform mit der Mentalität der Apple-Nutzer zu tun hat. Viele Linux-Nutzer nutzen Linux, weil sie nicht bereit sind, für Software Geld auszugeben. Daher stelle ich mir es auch schwierig vor, für Linux-Only-Applikationen Lizenzgebühren zu verlangen. Im Windows-Bereich sieht es witzigerweise nicht anders aus. Die wenigsten Leute, die ich kenne und die ihren Rechner hauptsächlich zum Spielen nutzen, sind bereit für Software Geld auszugeben. Die Raubkopiermentalität ist dort sehr weit verbreitet. Mittlerweile gibt es eine gute und große Auswahl an Open-Source-Anwendungen für Windows, die den meisten Windows-Anwendern die Raubkopiererei ersparen würden, wenn die Bereitschaft fehlt, Geld für Software zu bezahlen. Aus irgendeinem, mir total unerfindlichen Grunde aber, kopieren die meisten lieber weiterhin kommerzielle Anwendungen, obwohl es freie Alternativen gäbe. Quasi keine dieser Personen hat aber in ihrem ganzen Leben auch nur eine Zeile Quellcode geschrieben, weiß also nichts von der Schwierigkeit der Softwareentwicklung. Im Mac-Bereich hingegen scheinen sehr viele Benutzer gern bereit zu sein, ein paar Euro für wirklich nützliche Anwendungen auszugeben. Das führt dazu, dass ein riesengroßer Markt für den Mac entstanden ist, der so einige Perlen bereit hält, die sich (fast) jeder ohne Probleme leisten kann. Ich will an dieser Stelle einfach mal eine kleine Auflistung meiner Lieblingsanwendungen veröffentlichen:

1Password - DAS Programm zur sicheren Verwaltung von Passwörtern auf dem Mac. iPhone-Client kostenfrei über den AppStore erhältlich.

Awaken - schickes kleines Programm, das aus dem Mac einen Wecker macht

CoverSutra - hat keinen wirklichen Nutzen, macht aber einfach Spaß ;-) Es blendet (u.a.) das Cover des aktuell in iTunes abgespielten Albums auf dem Desktop ein

Frenzic - absolut süchtig-machendes Logik- und Reaktionsspiel; iPhone-Version via AppStore erhältlich

GarageSale Basic - für den privaten eBay-Verkäufer; tolle Aufmachung, einfache Bedienung, toller Preis

Little Snitch - Firewall-Addon für Mac OS X

Picturesque - zaubert mit wenigen Mausklicks aus einem normalen Foto ein kleines Kunstwerk mit Spiegelungen und ähnlichen Effekten

Pixelmator - DIE Shareware-Bildbearbeitung für den Mac, ist locker den doppelten Kaufpreis wert

PocketMac RingtoneStudio - einfach zu bedienendes Programm zur Erstellung eigener Klingeltöne für das iPhone

TextMate - DER Texteditor für den Mac. Punkt. Ach ja, klarer Tipp für Rails-Entwickler. Noch ein Punkt.

Things - die wohl beste GTD-Anwendung für den Mac, iPhone-Client separat über den AppStore erhältlich

Transmit - der beste, mir bekannte FTP-Client für die Mac-Plattform

Twitterific - optisch der ansprechendste Twitter-Client für den Mac, funktional nicht überragend, aber ausreichend. In der kostenlosen Version werbefinanziert. iPhone-Pendant über den AppStore erhältlich.

World of Goo - frisch erschienenes Logikspiel mit ganz eigenem Flair

Wer ein wenig die Augen aufhält, bekommt immer wieder von Bundles Wind, die es beispielsweise bei MacHeist oder MacUpdate Promo gibt. Diese kosten zumeist nur einen Bruchteil des Gesamtpreises aller Anwendungen. Im MacHeist-Bundle von vor ziemlich genau einem Jahr habe ich für US-$ 49,99 unter anderem die Anwendungen 1Password, Pixelmator, Awaken und CoverSutra bekommen, die zusammen schon einen Wert von rund US-$ 135,-- haben. Dabei waren weitere acht Anwendungen und zwei Spiele. Zwei der Anwendungen, TaskPaper und Speed Download, hatte ich auch eine Weile im Einsatz, was den Wert des Bundles für mich um weitere US-$ 55,-- angehoben hat. Je nachdem habe ich also zwischen 85 und 140 US-Dollar gespart. Die Bundles seitdem haben mich nicht so vom Hocker gehauen, hielten aber auch einige Perlen bereit.

Mein Fazit lautet auf jeden Fall, dass die wohl besten Anwendungen für den Mac definitiv aus der Shareware-Ecke kommen. An dieser Stelle möchte ich deswegen auch meine tiefe Ehrfurcht vor den vielen unermüdlichen Shareware-Entwicklern für den Mac zum Ausdruck bringen :-)

[Update]

Zwei Programme hab ich doch glatt vergessen. Beide kommen vom selben Team, nämlich plasq:

Comic Life (Magiq) - ein echt cooles Programm (beide Versionen), mit deren Hilfe man mit wenig Aufwand wirklich schön gestaltete Comics kreieren kann (ein kleines, in drei Minuten zusammengeklicktes Beispiel findet ihr hier)

Skitch - ein Capture-It-All-In-Seconds-Tool, befindet sich derzeit noch in der Betaphase, und das schon seit geraumer Zeit und ist somit noch kostenfrei. Angebunden daran ist ein Webservice, über den man ganz bequem die eingefangenen Bilder sharen kann.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Zitat des Tages

Ich habe vor wenigen Tagen  begonnen, mich ernsthaft mit Ruby on Rails zu beschäftigen und mir zu diesem Zweck (u.a.) das Buch "Professionelle Webentwicklung mit Ruby on Rails 2 - Das Praxisbuch für Entwickler" von Jens-Christian Fischer aus dem mitp-Verlag gekauft. Normalerweise überspringe ich die Danksagungen in Büchern ja, aber per Zufall habe ich sie dieses Mal gelesen. Und dabei folgendes Zitat entdeckt:
Kein Dank an Microsoft Word. Wie man mit einem solchen Programm vernünftig arbeiten soll, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Jens-Christian Fischer

Wie wahr, wie wahr...

PS: Das Buch ist wirklich empfehlenswert, der Autor versteht sein Handwerk und geht didaktisch äußerst clever vor. Fünf Sterne für dieses Buch.

Dienstag, 27. Januar 2009

Geschmacksfrage

Da derzeit mal wieder Semesterferien sind, verdiene ich mir ein paar Euro dazu, in dem ich in Braunschweig doziere. Derzeit betreue ich einen Kurs mit dem spannenden Namen Netz 1, der hauptsächlich darin besteht, ein kleines Server-Client-Netzwerk mit Microsoft-Betriebssystemen zu implementieren und zu warten. Keine schwierige Aufgabe, darum soll es aber hier auch nicht gehen.

Wie üblich in Windows-Kreisen, entbrennen immer wieder heftigste Diskussionen darum, welches das derzeit beste Windows ist. Zwei meiner (vier) Teilnehmer stimmen eindeutig für Windows XP, einer von denen nutzt privat sogar noch Windows 2000. Glaubt man das? Ein neun Jahre altes Betriebssystem. Ich meine, liebe Leser, hättet ihr im Jahre 2004 noch Windows 95 genutzt? Oder anno 2000 Windows 3.0? Vermutlich eher nicht. Gut, direkt vergleichen kann man diese Zustände nicht, zugegeben. Aber trotzdem, ich würde nie im Leben heutzutage noch ein Betriebssystem nutzen, das mittlerweile fast 10 Jahre auf dem Buckel hat, außer, ich werde dazu gezwungen. Diese beiden Teilnehmer nervt im Übrigen die ach-so-bunte "Teletubby-Optik" von Windows XP, deswegen ist deren erste Amtshandlung nach einer frischen Windows-XP-Installation, das "Design" auf das klassische Layout umzustellen. Hintergrundbilder sind bei den beiden auch verpönt. Ich habe eine Zeit lang ähnlich gehandelt, zu Zeiten, in denen ein Standard-PC weit unter einem Gigahertz Takt und um die 256 MB RAM hatte. Da war das auch sinnvoll, da die "bunte" XP-Optik und das Hintergrundbild unnötig RAM gefressen haben. In Zeiten von einer Standard-Ausstattung von mindestens zwei Gigabyte RAM sollte das aber als Grund nicht mehr durchgehen. Es ist den beiden einfach zu bunt. Das Betriebssystem soll funktionieren und nicht gut aussehen. Da frag ich mich doch, wieso die beiden Windows-Systeme nutzen *scnr*. Auch bei Windows Vista greifen die beiden zum klassischen Layout. Als ich dann vor wenigen Tage demohalber die Beta 1 von Windows 7 auf meinem Dozenten-PC installierte, kam gleich als erste Frage von den beiden auf, wie man das Layout wieder auf die klassische Variante umstellen könne. Also klassische "Farbgestaltung" (sprich: alles grau oder, wie im Falle eines meiner Teilnehmer, ein hässlicher Farbverlauf in den Fenstertiteln) und natürlich auch das klassische Startmenü, das ich schon immer gehasst habe. Das zweispaltige Startmenü von Windows XP und größer ist zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber immerhin deutlich besser als das alte, einspaltige. Die neue "Startleiste" von Windows 7 finde ich recht gelungen, die Grundidee hat Microsoft sich dort erfolgreich bei Apple abgeschaut. Aber auch das stieß bei den genannten Teilnehmern nicht auf Gegenliebe, sie wollten das sofort wieder deaktiviert sehen.

Da frage ich mich doch ernsthaft, wieso einige Menschen so sehr auf das Alte beharren. Gerade ITler sollten genau das nicht machen, unser Berufsfeld ist wohl mit dem stärksten Wandel überhaupt unterworfen und jeder, der ernsthaft erwägt, sich beruflich in der IT zu bewegen, sollte sich nicht gegen Neuerungen sperren. Tut er es doch, ist er ganz schnell raus. Und ehrlich gesagt bin ich Microsoft dankbar, dass eine Umstellung auf die klassischen Varianten augenscheinlich nicht mehr möglich ist. Vielleicht habe ich es auch einfach nur übersehen. Aber wenn nicht: Danke Microsoft! Es wurde definitiv Zeit, dass die mittlerweile 14 Jahre alte Benutzerschnittstelle ausrangiert wird. Ja, seit 14 Jahren existiert die so genannte klassische Variante mittlerweile, nämlich seit Windows 95. Ich meine, ich würde mir heutzutage freiwillig auch keine VHS-Kassetten mehr anschauen. Ihr etwa?

Auch wenn es nicht ganz zum Thema passt: ein ähnliches Gespräch hatte ich kürzlich erst mit zwei Kommilitonen, die ebenfalls um nichts in der Welt ihr Windows XP verlassen wollen. Als ich dann zur Sprache brachte, wie nervtötend ich es finde, dass man unter Windows Standardsoftware wie einen PDF-Reader und -Drucker, einen Messenger und ein Office-Paket erst aufwändig nachinstallieren muss, sagten die beiden, dass sie es lieber hätten, wenn sie ein möglichst nacktes Betriebssystem nach der Installation vorfinden würden. Obwohl sie danach genau die genannten Anwendungen sofort nachinstallieren. Ergibt das Sinn? Die genannten Anwendungen braucht ja nun fast jeder Anwendertyp, oder? Auch ein vernünftiger Browser (der IE 7 ist _nicht_ vernünftig) fehlt dem System. Bei Windows Vista sieht das genau so aus, zugegeben, auch bei Windows 7 noch. Aber das war ja der Punkt: wenn ich ein frisch installiertes Ubuntu oder Mac OS X nehme, da habe ich fast alles, auch wenn das Office-Paket unter OS X nach 30 Tagen seinen Dienst einstellt, wenn man nicht die 79,- EUR an Apple dafür zahlt. Windows XP fehlt es aber noch an weiteren elementaren Anwendungen: einer Bildverwaltung beispielsweise. Wer schießt heutzutage keine Fotos mit der Digitalkamera? Und der Importassistent unter XP ist kaum mehr als eine schlechte Hilfe. Viele Gründe, die mich dazu veranlassen, heutzutage kein Windows XP mehr zu nutzen. Das System ist fast acht Jahre alt, wer will das schon noch? Klar, es funktioniert, aber mehr eben auch nicht. Ich denke, dass Windows XP seine Daseinsberechtigung abseits der Netbooks mittlerweile wirklich verloren hat. Wenn Windows 7 in der finalen Version erscheint, wird Windows XP aber auch in diesem Marktsegment mutmaßlich und hoffentlich endlich vom Markt verschwinden.

By the way: vor einiger Zeit hat ein Redakteur von Zoomer.de seine ersten Erfahrungen mit Windows Vista publiziert. Da die Kommentare auch dort sich überschlugen, sah ich mich "genötigt", ein paar Sachen klarzustellen, da viele der dort anwesenden Kommentatoren wenn überhaupt mit Halbwissen glänzten. Witzigerweise war mein Kommentar einen Tag später Top-Thema. Um unnötige Redundanz zu vermeiden, gehe ich nicht weiter auf diesen Kommentar ein, lest einfach selbst ;-)