Montag, 24. August 2009

Politik und so

Schon mal vorweg: ich halte nichts von Politik, weil ich, seit ich das Wahlrecht habe, immer nur die gleichen abgedroschenen Phrasen zu lesen und hören kriege. Ich halte unsere Politiker für das verlogenste Pack der Nation und, gleich nach den Bossen der Medienkonzerne, auch für das inkompetenteste. Natürlich, uns Deutschen geht es gut, also ganz dumm können diese Menschen nicht sein, aber wenn Wahlversprechen vorn und hinten nicht gehalten werden und die junge Bevölkerung scheinbar vollständig ignoriert wird, entzieht sich das meinem Verständnis. Diese Menschen wollen das Vertrauen der Bürger, enttäuschen es aber jedes Mal aufs neue. Vielleicht, würde man sich die vollständigen Wahlprogramme mal durchlesen, wäre die Enttäuschung geringer, weil sicherlich viele der populistisch in den einschlägigen Tageszeitungen abgedruckte Parolen dort deutlich relativiert werden. Aber wer tut das schon? Mir fehlt ehrlich gesagt ein wenig die Zeit, um ca. 200 Seiten an Wahlprogrammen zu lesen. Und auch die Lust. Diese Lektüre dürfte in etwa so spannend sein wie die Geschichten meines Hausmeisters. Anderes Thema...

Ich beziehe mich in diesem Beitrag sowohl auf die Europawahl als auch die aktuelle Bundestagswahl. Bei der Europawahl wollte ich unbedingt wählen gehen, hatte aber keinen blassen Schimmer, welcher Partei ich meine Stimme geben soll. Ich bemühte einige Wahl-o-mat-Seiten im weltweiten Netz, um wenigstens eine grobe Idee davon zu bekommen, welche Partei ich mit meiner Einstellung wählen sollte. Natürlich habe ich eine politische Meinung, ich mache mir zu vielen alltäglichen und weniger alltäglichen Problemen Gedanken. Aber welche Partei vertritt diese Meinungen? Drei Parteien kamen nach mehreren Internetseiten in die engere Auswahl. Eine davon war die Piratenpartei, nur fand ich den Namen total bekloppt, was ich im Übrigen immer noch tue. Erst wollte ich einer der Konkurrentinnen meine Stimme geben. Als ich dann aber im Wahllokale saß und meine Kreuzchen machen wollte, las ich, welcher Schlag Mensch in dieser Partei sitzt. Informatiker, ITler und andere Menschen wie ich. Also war die Stimme schnell vergeben. Von den "großen" Parteien wie der CDU und SPD habe ich noch nie viel gehalten. Diese Parteien scheinen hauptsächlich, trotz vieler Bemühungen wie bspw. der Jungen Union (CDU), in der auch mein jüngerer Bruder steckt, das Publikum deutlich jenseits der 50 ansprechen zu wollen. Aktuelle Themen, die meine Generation und insbesondere den technisch affinen Teil beschäftigt, werden so gut wie gar nicht aufgegriffen. Wenn dann noch Politiker der genannten Parteien für Zensur im Internet und von Videospielen vor einem Publikum, dessen beste Jahre schon längst vorbei sind Werbung machen ist es mit meiner Sympathie für diese Kandidaten endgültig vorbei. Das folgende Video spricht für sich selbst:

Meine Videospiele bestelle ich mir sowieso größtenteils aus dem Ausland, weil ich auf die deutschen und damit häufig kastrierten Versionen keine Lust habe. Aber trotzdem empfinde ich es als eine riesengroße Frechheit, dass in einem der freiesten (wenigstens empfinde ich das ansonsten und bisher so) westlichen Ländern der Welt gerade Videospiele zensiert werden. Nachrichtensendungen zeigen teilweise ungeschönte Gewalt, niemand beschwert sich. Aber gerade die Parteien, die non-stop auf dem Jugendschutz rumhacken scheinen in ihrem Leben noch nie ein Computer- oder Videospiel gespielt zu haben. Das ist populistische Meinungsmache auf BILD-Niveau in meinen Augen. Natürlich, das Publikum in Steinzeitalter applaudiert, aber das taten deren Eltern auch, als für diese Generation relevante Themen angesprochen wurden. Schade, dass Menschen nicht lernen. Ich hoffe, ich werde nicht so stur und borniert sein, wenn ich dieses Alter mal erreicht habe. Wieso werden solche Vorträge (siehe bspw. Video weiter oben) nicht vor einem Publikum im passenden Alter gehalten? Richtig, weil diese Politiker auf die Fragen dieser Altersgruppe gar nicht antworten könnten, weil sie sich kaum mit dem Thema beschäftigt haben. Es wird teilweise unverhohlen gelogen, das anwesende Publikum weiß es ja eh nicht besser. Ob es nun tatsächlich so schlimm ist, wie in der folgenden, "nachvertonten" Fassung des Videos weiter oben, sei mal dahingestellt:

Ich denke gerade an einen Gastredner, der im vergangenen Semester eine Vorlesung an meiner Fachhochschule hielt. Der gute Mann kommt aus Kenosha und lehrt an der dortigen Universität. Er erzählte immer wieder nebenher einen Schwank aus seinem Privatleben, unter anderem, dass er mit seinen Söhnen gemeinsam das Spiel "Halo" auf den Familien-Xboxen spielt. Würden unsere Politiker ähnlich offen an diese Materie herangehen, wäre die Zensur von Videospielen sicherlich erst gar nicht zur Sprache gekommen. Und was die Webzensur betrifft gilt in meinen Augen ähnliches: würden diese Politiker sich etwas ernsthafter mit der Materie beschäftigen, würden sie wissen, wie lächerlich einfach deren Methoden zu umgehen sind. Oder geht es vielleicht doch nur um die Datensammlung? Das lasse ich jetzt mal so im Raume stehen. Meinungen hierzu sind natürlich ausdrücklich erwünscht.

Nach der Europawahl habe ich mich etwas intensiver mit der Piratenpartei beschäftigt und muss gestehen, dass ich mich seit langer Zeit zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema Politik beschäftigt habe. Sicherlich bin ich noch immer keine Koryphäe in dem Bereich, habe mir aber mittlerweile wenigstens halbwegs eine Meinung gebildet. Das Wahlvideo der Piratenpartei finde ich persönlich sehr gelungen, auch wenn die Aussagen natürlich wieder sehr oberflächlich gehalten sind.

Unfassbar finde ich, wie auf welch kindischem Niveau der Wahlkampf mittlerweile geführt wird. Der folgende Eintrag im Wiki der Piratenpartei spricht Bände: http://wiki.piratenpartei.de/PlakatFoul. Was denken sich die Parteien dabei? So jemandem soll man vertrauen? Das ist wirklich unterste Schublade und meinem Rechtsverständnis nach mutwillige Sachbeschädigung. Immerhin kosten diese Wahlplakate Geld. Und das, obwohl sie vollständig aussagenlos sind, die Gegend verschandeln und, im Falle der Linken, auch noch an Überschriften der BILD erinnern. Grauenhaft. Ich hasse die Wahlperioden.

Kürzlich spielte ich sogar mit dem Gedanken, Mitglied der Piratenpartei zu werden, war dann aber doch nicht bereit, 36 € dafür auszugeben, da ich nicht so recht ersehen konnte, was ich genau davon habe. Wenn es mir jemand näher bringen kann, denke ich vielleicht noch mal drüber nach.

Fazit der ganzen Angelegenheit: ich halte nach wie vor nichts von Politik, bin aber dank der Piraten wieder wenigstens ansatzweise in der Thematik drin und hoffe, dass die Piraten eine ausreichend große Stimmenanzahl bekommen, vielleicht tut sich dann ja endlich mal was in der ziemlich drögen und langweiligen, weil von zwei "Monopolisten" beherrschten Politiklandschaft Deutschlands.

Andere Meinung? Dann rein in die Kommentare.

Posted via email from ulfklose's posterous

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